Erfahrungsbericht Donkervoort D8 GTO GTO Performance (380 PS) von Anonymous, Juni 2016
100 % Ungefiltert
Dieses Auto ist unbeschreiblich hässlich. Fies und lauernd glotzt es Dich aus dem Stand an.
Der niederländische Automobilhersteller Donkervoort stellt im Jahr nur etwa 40-50 Autos her. Und so selten wie Sie dieses Auto auf den Straßen sehen werden, ist der Fahreindruck den dieses Fahrzeug vermittelt. Kompromisslos. Brutal. Angsteinflößend. Doch dazu später mehr.
Der Wagen ist nahezu komplett aus Carbon gefertigt wobei die beiden Flügeltüren gerade mal 1,8 Kilogramm wiegen. Zusammen wohlgemerkt. 695 kg treffen auf 380 PS. Zum Vergleich: Dies entspricht dem Leistungsgewicht eines über 1000 PS starken Bugatti Veyrons. Für nicht mal einem Siebtel des Preises. Ein Schnäppchen also?
Wie der Firmen-Slogan „No Compromise“ bereits vermuten lässt wurde auf jede erdenkliche Annehmlichkeit verzichtet, die zu unnötigem Mehrgewicht führen würde. Um nur einige wenige zu nennen: Servolenkung, Radio, Klimaanlage und achja einem 6. Gang. Auf meine neugierige Nachfrage darauf gab man mir llächelnd zu verstehen, dass ein 6. Gang zu 30kg Mehrgewicht geführt hätte. Aha.
Das Einstiegen gleicht einer Yogaübung, in der man sich mit einem Arm am Überrollbügel und mit dem Anderen am Lenkrad festhält um sich dann auf den Sitz zu „schwingen“. Hat man einmal auf dem engen, aber bequemen Schalensitz Platz genommen, wundert sich der Pilot über die erstaunlich guten und ergonomischen Platzverhältnisse bei 1,90m Eigenkörpergröße. Das Anlegen des 5 Punkt Gurts ist die nächste Herausforderung. Das Resultat fühlt sich an, als sei man wie der Motor direkt mit dem Chassis verschraubt. Und das ist man in der Tat dann auch. Einmal angeschnallt kann der Sitz nicht mehr verstellt werden. Dies sollte vor dem Anschnallen bedacht werden. Das lächerlich kleine Lenkrad (entspricht dem Durchmesser einer Mini-Pizza) liegt erstaunlich gut in der Hand. Mit der linken Hand ziehe ich die federleichte Flügeltür zu. Ich befinde mich nun in einem mono coque, wie in der Formel 1.

Ein letztes Mal durchatmen.
Zündung.
Eine Mischung aus Zischen und Knattern schraubt sich für ein paar Sekunden zu ohrenbetäubendem Getöse hoch, findet dann aber in regelmäßigem Wummern eine gewisse Ruhe. So klingt ein Rennmotor. Hierbei handelt es sich um den genialen Audi 5 Zylinder Turbo welcher im TTRS zum Einsatz kommt und in den 80ern die Basis für die Rallyerfolge von Röhrl und Co bildete. Bei Donkervoort haben Sie dann noch einmal jedes letzte verblieben Quäntchen PS aus dem Triebwerk herausgekitzelt. Ab 1750 Umdrehungen liegt bereits das maximale Drehmoment von aberwitzigen 480NM an.
Die Kupplung ist hart; ich lege den ersten Gang ein. Der Wagen liegt bretthart und die Lenkung ist schwergängig aber unglaublich präzise. Behutsam gehe ich mit dem 1. Gang um, schalte in den 2. Wruuuusch!! Das war der Turbo.
Ich biege auf eine Landstraße ein und trete durch.
Was als Nächstes kommt fühlt sich an als wäre man den Katapult eines Flugzeugträgers angebunden. Es knackt, zischt, der Wagen brüllt und wirft sich derart heftig nach vorn, dass man geistig die Bewegung noch gar nicht erfasst hat.
2 Sekunden später habe ich 100km/überschritten. Im 2. Gang. Die Kraftentfaltung ist brutal aber nach einigen Kilometern auch gut dosierbar durchführbar. Mit jeder Kurve werde ich mit dem liebevoll „Donki“ genannten Wagen vertrauter. Dabei gilt die Maxime: Vor der Kurve anbremsen, einlenken, Fuß am Gas, die Kurve durchziehen, am Scheitelpunkt beschleunigen. So lange man dies beherzigt, wird der Wagen eins mit dir. Gönnst Du ihm nicht die nötige Aufmerksamkeit macht er Dich fertig. Später will ich den Wagen in ein Parkhaus fahren und es offenbart sich direkt ein Problem. Dadurch, dass die Räder an der Stelle positioniert sind wo bei 99,9 % der übrigen Autos die Stoßstange montiert ist, musst Du bei Schrittgeschwindigkeit viel früher einlenken da Du sonst mit den Rädern an dem Pfeiler des Parkhauses hängen bleibst. Gerade noch geschafft.
Wenn man Lust auf Krafttraining hat, aber kein Fitnessstudio findet, empfehle ich Rangieren im Donki. Es fühlt sich so an als wenn Du das ganze Auto mit der Hand anschieben müsstest. Motor aus. Wow. Intensiver und Extremer geht Autofahren nicht.
Sind 160,000 Eur dafür gerechtfertigt? In einer automobilen Welt wo es immer schwieriger wird, echte, ja puristische Erfahrungen zu erleben, ist dieses Automobil eine exotische Abwechslung.
Eben 100% ungefiltert.